Es gibt so viel zu erzählen

Steuerliche Gründe

Der behutsam vorgetragene Hinweis, man solle die Wohnung und Ersparnisse aus steuerlichen Gründen bei Zeiten an die Kinder übertragen, klang sehr einleuchtend. Die Abwicklung gestaltete sich genauso unbürokratisch, wie es im Vorhinein zugesichert wurde. Alles in allem waren lediglich einige Unterschriften zu leisten. Um den Rest kümmerten sich der Schwiegersohn und seine rechtlichen Berater.

Es konnte damals doch niemand ahnen, dass dessen Unternehmen durch die Finanzkrise einmal derart in Mitleidenschaft gezogen würde…

Alles geregelt

Es war die seltene, große Liebe. Er, ein eleganter, absolut zuverlässiger und großzügiger Mann, hatte sich immer um alles gekümmert. Bis zuletzt wurde ihr versichert: „Was auch immer passieren mag, für dich ist gesorgt!“ Heiraten wollte er allerdings kein zweites Mal. Und tatsächlich ist nun in seinem Testament aus dem Jahre 1982 eine rührende Passage zu lesen: „Meinem geliebten Schatz, …., vermache ich: …“. Nur leider, jenes Haus, von dem dort die Rede ist, wurde längst verkauft und den Erlös aus dem früher einmal für sie angelegten Wertpapierdepot dürfte er schon Ende der 1990er Jahren im Zuge seiner Pensionierung für gemeinsame Hobbys verwendet oder später anderweitig veranlagt haben. Jedenfalls findet sich kein werthaltiger Gegenstand mehr im Nachlass, den die Lebensgefährtin laut Testament zu ihrer Versorgung erhalten sollte. Seine beiden Kinder sind Universalerben und haben es wohl nie verkraftet, dass er damals, als sie noch klein waren, ihrer Mutter eine andere Frau vorgezogen hat.  Vielleicht erlauben sie ihr dennoch die Weiterbenutzung des Wagens, wenigstens bis der Umzug in die kleine Mietwohnung am Stadtrand abgeschlossen ist…

Es gibt so Tage

Es gibt so Tage, da könnte es einem in der längst viel zu groß gewordenen Villa schon in den Sinn kommen, der Einsamkeit zu entfliehen und etwas ganz anderes zu machen. Zum Beispiel begabten, aber sozial benachteiligten Studenten einen vorübergehenden Aufenthalt in diesem schönen Haus zu ermöglichen. Nicht auszudenken, wie erbaulich es sein könnte, der virtuosen Cellistin beim Üben zuzuhören oder gemeinsam mit dem jungen Schriftsteller aus Argentinien einen Verlag für seinen Erstlingsroman zu suchen. Gewiss würde sich bald eine kleine Gemeinschaft bilden, bereichert durch Besuche, Vernissagen, Auftritte oder Lesungen ehemaliger Schützlinge. Es heißt, derartige Einrichtungen ließen sich mit etwas Geschick sogar über den eigenen Tod hinaus aufrechterhalten.

Aber wer will schon so ein Andenken von unschätzbarem Wert…