Wer haftet für Begräbniskosten?

Immer noch wird für das eigene Begräbnis viel zu selten vorgesorgt.

Dabei stellt es keine große Herausforderung dar, rechtzeitig eine Bestattungsverfügung zu errichten und eine angemessene Kostendeckung anzusparen (siehe dazu www.bestattungsverfügung.com).

Meistens stehen Angehörige und Bestattungsunternehmer nach einem Todesfall zunächst vor der Frage, was die verstorbene Person sich eigentlich gewünscht hätte, wer überhaupt anordnungsbefugt ist und vor allem auch, wer dereinst die auflaufenden Kosten zu bezahlen hat.

Zwar findet sich üblicherweise aus dem Kreis der Hinterbliebenen durchaus jemand, der sich um die organisatorischen und finanziellen Belange kümmert.

Immer häufiger aber ranken sich Eifersüchteleien, Neid und Missgunst um die Beisetzungszeremonie, die Art der Bestattung und nicht zuletzt um die Kostentragung.

Die letzte Lebensgefährtin und der (verstoßene) Sohn aus erster Ehe sind hier selten einer Meinung.

Rechtlich zählen „Kosten für ein ortsübliches und den Lebensverhältnissen sowie dem Vermögen des Verstorbenen angemessenes Begräbnis“ nach § 549 ABGB „zu den auf einer Erbschaft haftenden Lasten“.

Sie sind von der Verlassenschaft als solcher und nach erfolgter Einantwortung von den Erben zu tragen.

Hat eine an sich unbeteiligte Person, etwa eine Nachbarin oder ein Jugendfreund das Begräbnis bestellt, jedoch nicht bezahlt, kann das Bestattungsunternehmen den Nachlass, später die Erben, selbstverständlich aber auch unmittelbar seine unter Umständen eigentlich völlig unbeteiligten Auftraggeber in Anspruch nehmen.

Verlassenschaft und Erben sind in diesen Fällen verpflichtet, den in Vorlage getretenen Person/Institution die aufgelaufenen Kosten im angemessenen Rahmen zu refundieren.

Unter bestimmten Umständen werden auch Unterhaltspflichtige zur Bezahlung der Bestattungskosten herangezogen, und zwar selbst dann, wenn sie keine Erben sind.

„Angemessene“ Begräbniskosten (siehe dazu Blog vom 17.03.2017) haben beispielsweise aber ebenso Schädiger zu ersetzen, etwa der Verursacher eines tödlichen Unfalls oder Verbrechens.

Problematisch wird die Angelegenheit speziell dann, wenn weder hinreichendes Nachlassvermögen zur Abdeckung aller Kosten, noch (ausreichend finanzkräftige) Erben, noch sonstige (Schaden-)Ersatzpflichtige existieren.

Hier sehen die Bestimmungen des Außerstreitgesetzes und der Insolvenzordnung vor, dass die Kosten für ein „einfaches“ Begräbnis (siehe dazu den Blog vom 03.03.2017) so genannte „Massekosten“ darstellen und als solche in einem Verlassenschaftsinsolvenzverfahren bevorzugt zu bedienen sind.

Weil jedoch häufig Masseunzulänglichkeit herrscht und die Bestattungskosten nur als „übrige Masseforderungen“ letztrangig (bspw nach den Verfahrenskosten) berücksichtigt werden, bleiben jene, die den Bestattungsauftrag erteilt oder vorläufig bezahlt haben, meistens trotzdem sinnbildlich auf diesen Kosten sitzen.

3 Kommentare zu “Wer haftet für Begräbniskosten?

  1. Ulla Brittner

    Soviel ich in D informiert bin- zahlt bei Sozialhilfe Empfängern der Staat aus dem Topf „Solidaritäts-Gemeinschaft“
    Jedoch nur Feuerbestattung,keine Erdbestattung.

    Ansonsten ist einen Vorsorgeregelung getroffen, steht ja meist alles drin ( Wünsche der Zeremonie u.v.m.)

    Grüsse und schöne OSTERN
    *ULLA BRITTNER

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  2. David Müller

    Die Frage habe ich mir neulich gestellt. Ein Freund ist Rechtsanwalt für Erbrecht und konnte mir diese Frage beantworten. Begräbniskosten haben ebenso Schädiger zu ersetzen, jedoch muss dafür ein Anspruch angelegt werden. Glücklicherweise wird man auch im Internet hilfreich bedient.

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  3. Michaela

    Das Thema Begräbniskosten auf die Verlassenschaft aufzuteilen ist wohl etwas sehr verdrängtes in unserer Gesellschaft. Ich habe schon Fälle erlebt wo noch nicht mal der leibliche Sohn die Beerdigung seiner Mutter bezahlen wollte. Ich weiß, dass ich meine Beerdigung auf jeden Fall vorher bezahlen werde oder es über eine Versicherung regeln werde.

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